Emulatoren sind für viele Vertreter der Spieleindustrie der Teufel in seiner digitalen Ausprägung. Diese Programme sind konzipiert, um verschiedene Systeme nachzuahmen, unter anderem auch Spielkonsolen oder -automaten. Damit ist es möglich, alte Spiele auch dann noch zu spielen, wenn die Plattformen, für welche diese entwickelt wurden, längst nicht mehr produziert werden (bei
AEP Emulation findet man Emulatoren für fast jede Spielplattform, die je erschienen ist). Für Historiker sind diese Programme, die meist von Enthusiasten über Jahre hinweg entwickelt, verbessert und an den technologischen Fortschritt angepasst werden, ein Segen, erlauben sie doch die Erfahrung von Spielen, für die es längst keine funktionierenden Abspielgeräte mehr gibt. Dies, obwohl die Emulation nicht in allen Fällen hundertprozentig akkurat ist, weil die Funktion der Schaltkreise der Geräte eben nur durch Software nachgeahmt wird. Leider gibt es im Zusammenhang mit der Verwendung von Emulatoren auch weitere Probleme. Sie benötigen meistens nicht eine physische Kopie des jeweiligen Spiels, sondern dessen Speicherabbild, ein so genanntes ROM. Ist man im Besitz einer Originalkopie, ist das nicht weiter schlimm, doch lädt man ein solches ROM einfach von einer Internetseite herunter, ohne besagtes Original zu besitzen, macht man sich unter Umständen strafbar, wenn die Rechte am Spiel noch nicht erloschen sind, was bei vielen auch uralten Spielen noch der Fall ist. Ein rechtlicher Spiessrutenlauf. Das ist auch der Grund, wieso viele Entwickler und Publisher den Emulatoren den digitalen Tod und die Hölle wünschen, denn die Spiele dafür gibt es meistens irgendwo im Internet in digitaler Form als Download. Dadurch gehen scheinbar Millionen an Einnahmen verloren. Ausserdem sollen sich auch Neuauflagen alter Klassiker für moderne Konsolen weniger gut verkaufen, wenn man das Original auch illegal aus dem Netz beziehen und auf einem Emulator am PC spielen kann. Ich vertrete jedoch die gegenteilige These und behaupte, dass die Publisher eigentlich ganz froh darum sind, weil heute auch ganz junge Spieler über die Emulatoren Zugang zu Spielen haben, die lange vor ihrer Zeit entwickelt wurden, und die sie sonst nie gespielt hätten, was es den Publishern eben einfacher macht, Neuaufgüsse solcher Titel zu verkaufen. Aber genug der Theorie.
Wieso ich das alles erzähle? Weil ein Spielentwickler namens
Mark Feldman in einem Beitrag in seinem Blog erklärt, wie der Emulator
MAME (Multiple Arcade Machine Emulator) die Entwicklung einer Neuauflage von Midways
Spy Hunter (1983) für mobile Spielplattformen gerettet hat. Offenbar versäumte es der Publisher, der Marks Firma den Auftrag dazu erteilt hatte, von Midway den Quellcode und die Grafiken des Originals zu besorgen, bestand aber dennoch darauf, dass der Prototyp rechtzeitig fertig werden sollte und drohte mit rechtlichen und finanziellen Konsequenzen, falls der Vertrag nicht eingehalten würde. Ein aussichtsloser Kampf für das kleine Entwicklerstudio. Da sich die Neuauflage eng an das Original anlehnen sollte, entschieden sich Mark und seine Kollegen dafür, ein ROM von
Spy Hunter für MAME aus dem Internet herunterzuladen und den Emulator dafür zu verwenden, das Spiel zu rekonstruieren, was schliesslich auch gelang. Wie sie das geschafft haben, ist in Marks Beitrag zu lesen, den ich auch Laien in Bezug auf Game Design wärmstens empfehlen kann.
Link:
Mark Feldman: The Day MAME Saved My A**
Quelle:
Kotaku