
Die Schweizer machen zur Zeit nicht nur wegen des Weltmeistertitels der U17-Nationalmannschaft im Fussball oder des angeschossenen Bären Finn weltweit von sich reden. Eine weitere Nachricht beschäftigt die Medien weit über die Grenzen unseres Landes hinaus.
Pro Juventute und
Track Impunity Always (
TRIAL) haben eine Studie herausgegeben, welche den Aspekt des Humanitären Völkerrechts, der Internationalen Menschenrechte und des Internationalen Strafrechts in digitalen Spielen beleuchtet. Laut der Studie werden diese in allen untersuchten Spielen verletzt. Die Spieler müssten sich nicht wie in der Realität an die Regeln halten, was die Verfasser als problematisch werten, weshalb die Empfehlung an die Entwickler ausgesprochen wird, in Zukunft Spiele zu produzieren, in welchen die Menschenrechte von den Konfliktparteien geachtet werden müssen. Ein Aussschnitt aus dem Text:
it would be very useful if developers would incorporate more specific rules on how to conduct an operation in their games, in terms of the weapons allowed, the behaviour allowed, the military targets sought, the degree of collateral damage permitted, etc. The message of the scenes should never be that everything is allowed, or that it is up to the player to decide what is right and what is wrong. In real life, this is not the way it works. In real life, there are rules and there are sanctions for violations of these rules.
So interessant der Text auch ist, leider fallen dem geneigten Leser schon beim Anblick des Inhaltsverzeichnisses einige Dinge auf, welche Zweifel an den Grundlagen der Studie aufkommen lassen. Zum einen wird das Spiel
Metal Gear Solid 4 als
Metal Gear Soldier 4 aufgeführt, und eines der Spiele, die begutachtet werden, ist
True Crime Streets of L.A., das in vielerlei Hinsicht aus der Reihe der übrigen Titel tanzt. Das führt mich zum Hauptvorwurf, welcher der Studie entgegengebracht wird. Nämlich, dass angesichts des Hinweises auf das geltende Recht in der Realität festgestellt werden muss, dass viele der untersuchten Spiele, wie eben
True Crime oder z.B.
Army of Two und
Far Cry 2 in einem ganz klar fiktionalen Setting stattfinden und sich in diesem Fall kaum als Untersuchungsgegenstand eignen. Nicht untersucht wird hingegen
America's Army, das bewusst realitätsgetreu inszeniert ist und auch so genannte Rules of Engagement (RoE) enthält, an welche sich der Spieler halten muss, wenn er erfolgreich sein will.
Ein weiterer Vorwurf, der oft geäussert wird, ist, dass die Umsetzung der Empfehlungen der Studie das Bild von bewaffneten Konflikten verfälschen würden, weil es in der Realität zwar Regeln dafür gebe, aber kaum ein Krieg wirklich "sauber" geführt werde.
Dennoch, die Studie hat eine breite Diskussion angeregt und hat so zumindest eines ihrer Ziele erreicht: die Sensibilisierung für das Thema. Das ist in Zeiten von sehr kontrovers rezipierten Spielen wie
Modern Warfare 2 unbedingt nötig.
Link:
Studie: Playing by the Rule (Pdf)
Quelle:
GamePolitics