
Das Institut für Angewandte Psychologie (IAP) der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) führt am nächsten Dienstag, den 29. September, eine Veranstaltung zum Thema
Computergames - riskante Unterhaltung? durch. Es handelt sich dabei um ein Referat von Prof. Dr. Daniel Süss mit anschliessender Podiumsdiskussion.
Die Liste der Teilnehmer reicht vom Studenten der Informatik an der ETH, der leidenschaftlich spielt, über verschiedene lic. phil. der Psychologie und Mitarbeiter des Schweizerischen Instituts für Kinder und Jugendmedien (SIKJM) bis hin zu Professoren desselben Faches. Moderiert wird das Ganze übrigens von Marc Bodmer, seines Zeichens Jurist, Jornalist, stadtbekannter Spiele-Kenner und nicht zuletzt Forschungsprojektleiter an der ZHAW. Beim Lesen der Einladung ist eine Passage im Text aber an mir kleben geblieben wie warmer Teer.
Computergames und ihre Wirkungen auf Kinder und Jugendliche werden in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert. Sind sie Risikofaktor für Gewalt und Sucht oder ein Kulturgut der heutigen Zeit?
Ich bin sehr gespannt auf die Antwort auf diese Frage, die man - wie es scheint - dem Publikum im Laufe der Versanstaltung geben möchte. Ich finde diese Formulierung allerdings fragwürdig. Zum einen - und das mag einigen kleinlich erscheinen - gehe ich davon aus, dass mit "Computerspiele" allgemein die "digitalen Spiele" oder "elektronischen Spiele" gemeint sind. In der Forschung werden schon seit Jahren Sammelbegriffe verwendet, weil "Computerspiele", wie der Begriff besagt, am Computer gespielt werden, während man für Konsolenspiele meistens den Terminus "Videospiele" verwendet. Ich gehe aber davon aus, dass im Vortrag von beiden die Rede ist. Problematischer hingegen finde ich den zweiten Satz in obigem Abschnitt. Zwar hat die EU die digitalen Spiele faktisch schon vor einiger Zeit
als Kulturgut anerkannt, aber man kann sich natürlich nach wie vor darüber streiten, ob sie dieses Prädikat verdienen. Allerdings verstehe ich nicht ganz, inwiefern sich der Status als Kulturgut und derjenige als Risikofaktor für Gewalt und Sucht gegenseitig ausschliessen. Das wäre dann eine sehr enge Interpretation des Kulturbegriffes.
Ich gebe zu, dass ich unter diesen Umständen skeptisch bin, was diese Veranstaltung angeht. Zumal wieder einmal die klassische Aufstellung gewählt wurde, wo ein Gremium von "Fachleuten" einem einzigen Gamer gegenüber sitzt, der dann vermutlich entweder nicht zu Wort kommt und wenn doch, dann von den "wissenschaftlichen Argumenten" der Fachleute zerpflückt wird. Auch zeigt meine langjährige Erfahrung, dass nach wie vor viele Forscher, die sich in den verschiedenen Disziplinen mit digitalen Spielen auseinandersetzen, viel mehr Ahnung von ihrem Fach haben, als vom Untersuchungsgegenstand, was dann zu teilweise haarsträubenden Forschungsfragen und Schlussfolgerungen führt. Ich lasse mich allerdings gerne überraschen und eines Besseren belehren.
Der Eintritt ist frei, laut den Organisatoren ist eine Reservation der Tickets aber empfehlenswert.
Dienstag, 29. September 2009, 18–20 Uhr,
Bernhard-Theater, Theaterplatz 1, 8001 Zürich
Türöffnung: 17.30 Uhr
Link:
ZHAW: Computergames - riskante Unterhaltung?