Sonntag, 9. November 2014

Bucherscheinung: Digitale Spiele und Hybridkultur

Vor einigen Wochen ist mein Buch mit dem Titel "Digitale Spiele und Hybridkultur" erschienen. Es ist dies eine aktualisierte Fassung meiner Masterarbeit, die an der Forschungsstelle für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Universität Zürich unter der Aufsicht von Prof. Dr. Philipp Sarasin entstanden ist. Er war es ursprünglich, der mich dazu ermuntert hat, diese als Buch zu veröffentlichen. Den Stein endgültig ins Rollen gebracht hat dann aber Verleger Werner Hülsbusch, der befand, dass der Text in seine Reihe Game Studies passen würde. Er hat das Projekt begleitet und mich mit wichtigen Kommentaren und Anregungen versorgt.

Das Buch ist eine relativ kurze und kompakte geschichtswissenschaftliche Analyse, die versucht, exemplarisch mehrere Aspekte der kulturhistorischen Entwicklung der digitalen Spiele unter dem Vorzeichen der Entstehung einer Hybridkultur zu erklären und zu verstehen. Beziehen kann der interessierte Leser das Werk entweder direkt im e-Shop des Verlags oder aber bei Amazon.

Link: Luca Cannellotto: Digitale Spiele und Hybridkultur, Glückstadt 2014, 148 S.

Sonntag, 21. September 2014

Ein Rauschen im Schweizer Gaming-Wald

Ich erinnere mich noch an eine Diskussion, die sich vor ungefähr drei Jahren abspielte und in der es um den Stand der Schweizer Spielkultur ging. Die Meinung meines Gegenübers war, dass die Schweiz zu klein und zu bieder sei, um eine professionelle Entwicklerszene hervorzubringen. Selbst Förderprogramme - damit meinte die Person wohl Pro Helvetias GameCulture - würden daran wenig ändern. Zum damaligen Zeitpunkt gab es dem wenig entgegen zu setzen, zumal sich Erfolge Schweizer Entwickler im Haifischbecken des weltweiten Spielemarktes an weniger als einer Hand abzählen liessen. Die Anstrengungen einzelner Talente und ihrer Förderer waren wenig mehr als ein laues Lüftchen. Doch dieses Lüftchen ist zu einem steten Wind angewachsen.

Die Schüler von einst, die an der ZHdK einen Bachelor-Lehrgang absolviert haben, sind heute gestandene Spieleentwickler mit wachsenden Portfolios, eigenen Firmen und grossen Träumen. Sie sind sowohl national als auch international organisiert und vernetzt und nutzen die allerneusten Technologien. Selbst wenn in der Schweiz noch keine Triple-A-Produktionen vom Fliessband laufen, lohnt es sich, dieser noch überschaubaren Szene Beachtung zu schenken. Am Zürcher Game Festival Ludicious und am gleichzeitig an derselben Lokation stattfindenden gameZfestival sind viele ihrer Vertreter erschienen, um sich mit ihren Kreationen der Öffentlichkeit zu stellen. Diese begegnet ihnen noch immer mit Skepsis und Ignoranz, aber auch mit wachsendem Interesse.

Wurden digitale Spiele in der Schweiz bisher nur in Museen oder im Rahmenprogramm des Animationsfilm-Festivals Fantoche ausgestellt, so haben sie heute eigens dafür geschaffene Veranstaltungen. Diese sind besser geeignet, die Spiele und ihre Entwickler zu präsentieren. Dies wurde am Ludicious und am gameZfestival deutlich. Die Atmosphäre war entspannt und kollegial, das Niveau der parallel zu den Ausstellungen stattfindenen Vorträge relativ hoch. Die Ausstellung des gameZfestival, das sich das Thema "Multiplayer" auf die Fahne geschrieben hatte, wurde am Samstag Nachmittag unter anderem auch von Familien mit ihren Kindern besucht. In einer Nische, in der man auf einer Wii Super Mario spielen konnte, kreischten Mutter und Grossmutter mit je einem Controller in der Hand vergnügt um die Wette, während der Junge in der Mitte das Geschehen mit Staunen verfolgte. Ein bezeichnendes Bild.

Spielkultur ist im Begriff, sich in der Schweiz einen festen Platz zu schaffen, an dem sie weiter gedeihen kann. Bleibt nur noch zu sehen, ob sich die Mühe der Entwickler auch aus finanzieller Sicht lohnt, schliesslich arbeiten die meisten von ihnen längst nicht mehr, um street credibility zu erlangen, sondern um sich und vielleicht auch eine Familie zu ernähren. Aus dem Rauschen im Gaming-Wald geht aber hervor, dass dies das grösste noch ungelöste Problem ist, dem gleich mehrere Beiträge gewidmet wurden. Am vorhandenen Talent mangelt es nicht, jetzt gilt es allerdings, brauchbare Finanzierungsmodelle und Investoren zu finden. Die Branche befindet sich auch hierzulande im Aufwind, man darf also gespannt sein, wie sich die Situation im nächsten Jahr präsentieren wird.


Link: Ludicious - Zürich Game Festival

Link: gameZfestival

Samstag, 30. November 2013

The Internet Archive öffnet die Historical Software Collection

Bereits Ende Oktober hat das Internet Archive unter der Leitung des Kurators Jason Scott eine einzigartige Sammlung früher Software-Titel und Spiele der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auf der Internetseite des Archivs können diverse Programme direkt in einem Browserfenster abgespielt und ausprobiert werden.


Möglich macht dies eine JavaScript-Version des Emulators MESS, die es jedermann erlaubt, ohne viel Aufwand ein Stück digitaler Geschichte zu erleben, wenn auch nur in einer Emulation und nicht mithilfe der ursprünglichen Hardware. Aus der Perspektive der Geschichtswissenschaft sind solche Projekte von unschätzbarem Wert, denn sie unterstützen die schwierige Aufgabe, unser digitales Erbe zu bewahren.


Link: Historical Software Collection @ The Internet Archive

Quelle: Vintage Computing and Gaming

Samstag, 15. Juni 2013

"Press Start to Play" im Spielzeugmuseum Riehen

In der Gemeinde Riehen in unmittelbarer Nähe zur Stadt Basel befindet sich das Spielzeugmuseum, eingebettet im wunderschönen Landsitz des ehemaligen Basler Bürgermeisters Johann Rudolf Wettstein. Diese historische Stätte beherbergt vom 25.05.2013 bis zum 23.02.2014 die Ausstellung Press Start to Play, die sich als überschaubare aber fein säuberlich organisierte Veranstaltung präsentiert:

"Die Ausstellung dokumentiert die Entwicklung verschiedener Spielgenres, der Steuerung und der kulturellen Bedeutung des Videospiels. 26 Exponate sind eingebettet in historische, soziale und kulturelle Bezüge."

Anfassen und Ausprobieren sind explizit erwünscht, doch nicht nur der Exponate wegen dürfte sich ein Besuch lohnen. Ein reichhaltiges Rahmenprogramm bietet Events für Leute, die weiter in die digitale Spielkultur eintauchen möchten.

Link: Press Start to Play @ Spielzeugmuseum Riehen

Quelle: GameCulture.ch

Montag, 3. Dezember 2012

Swindler 2 (+ Nitrome Touchy)

Keine Frage, die Entwickler von Nitrome haben einen Hang zur Genialität. Deren Spiele sind ein Genuss für das Auge und auch spielerisch äusserst anspruchsvoll. Mit Swindler 2 stellen sie ihr Können einmal mehr eindrücklich unter Beweis. Die Animationen sind schlichtweg grossartig und die zu lösenden Rätsel knifflig.



Link: Swindler 2

Doch damit nicht genug. Zusätzlich zu den auf der offiziellen Webseite spielbaren Titeln bieten die findigen Engländer jetzt auch eine App für iOS und Android an, die das eigene Smartphone in ein Peripheriegerät verwandelt, mit dem sich die Spiele steuern lassen. Nitrome Touchy ist umsonst, allerdings ist damit lediglich ein Spiel steuerbar. Gegen einen kleinen Obolus kann man aber die Unterstützung für alle weiteren Spiele von Nitrome freischalten. Die Idee ist brillant und erweitert die spielerischen Möglichkeiten um ein Vielfaches.



Link: Nitrome Touchy

Quelle: IndieGames

Sonntag, 2. Dezember 2012

GeneRally 1.2c

Klein, simpel und fein ist die Devise bei GeneRally. Durch die weit reichende Modifizierbarkeit verfügt das relativ einfache Rennspiel jedoch seit vielen Jahren über eine eingeschworene Fangemeinde. Dies hat die beiden finnischen Entwickler schliesslich dazu bewogen, die Arbeit an einem Nachfolger in Angriff zu nehmen, der von Grund auf neu entwickelt wird. Aus demselben Grund haben sie nun auch eine neue Version von GeneRally veröffentlicht, die einige von den Spielern lang ersehnte Verbesserungen mit sich bringt.



Der Download ist umsonst, leider gibt es aber nur eine Version für Windows.

Link: GeneRally

Sonntag, 11. November 2012

Battlefield 1942 zum Jubiläum umsonst

Vor zehn Jahren revolutionierte ein Spiel aus schwedischem Hause das festgefahrene Genre der First Person Shooter. Dem Studio namens Digital Illusions Creative Entertainment (DICE) aus Stockholm gelang mit Battlefield 1942 ein historischer Wurf. Es ist aber hauptsächlich der äusserst aktiven Fangemeinde zu verdanken, dass das Spiel noch heute gespielt wird. Die Offenheit der von DICE entwickelten Engine motivierte viele Programmierer und brachte eine Fülle hervorragender Modifikationen hervor.



Am letzten Wochendende kam mir in den Sinn, dass das Spiel samt den beiden Erweiterungen Road to Rome und Secret Weapons of WWII sowie mehreren Mods noch auf meiner Festplatte liegt, weshalb ich eine kurze Spielrunde in Erwägung zog. Tatsächlich fand ich noch ein paar wenige, gut besuchte Server, allerdings konnte ich mich nur zu einem einzigen verbinden. Schade, dachte ich, denn das Spiel ist sehr gut gealtert und macht auch heute noch Spass. Eigentlich müssten EA und DICE es nach so vielen Jahren umsonst zum Downlaod anbieten. Ich bin überzeugt, dass es genügend Spieler gibt, die es installieren würden. Und siehe da, als wären meine Gedanken gelesen worden, veröffentlichte EA nur wenige Tage später das Spiel als Gratis-Download, um das zehnjährige Jubiläum dessen Markteinführung zu feiern.

Einen kleinen Haken hat die Sache allerdings. Um in den Genuss des Geschenkes zu kommen, müssen die Spieler den massiv in die Kritik geratenen Download-Dienst Origin installieren. Dies gilt auch für Besitzer der physischen Fassung des Spiels, denn leider kann man sich damit nicht mit Servern der Origin-Version verbinden. Hat man sich aber erst einmal dazu durcherungen, dem Programm den Zugriff auf den eigenen Rechner zu gewähren, stehen epischen Schlachten mit bis zu 64 Spielern nichts mehr im Wege. Um das letzte Quäntchen Leistung aus dem alternden Meisterwerk zu holen, gilt es nur noch, ein paar Punkte zu beachten, die nachfolfend erklärt werden.

Grafik-Einstellungen
Im fernen Jahre 2002 wurden die meisten Computerbildschirme noch im Format 4:3 gebaut. Wer einen Rechner besass, der das Spiel in einer Auflösung von 1024 x 768 Bildpunkten flüssig wiedergeben konnte, durfte sich glücklich schätzen. Moderne Rechner kann es hingegen kaum noch aus der Fassung bringen. Ausser, wenn es um die Bildschirmauflösung geht, denn Battlefield 1942 unterstützt die mittlerweile üblichen Formate 16:9 und 16:10 nicht. Wie man die Bildschirmauflösung dennoch ändern kann, steht z.B. bei BF-Games.net.

Modifikationen (Mods)
Es gibt zahlreiche Modifikationen, die mit der Origin-Version von Battlefield 1942 funktionieren, und die man unbedingt installieren sollte:

Desert Combat (Version 0.7)
Die Mod, die als Vorlage für die Entwicklung von Battlefield 2 diente.



Desert Combat Final (benötigt Desert Combat)
Eine Mod zur Mod und eine Weiterentwicklung von Desert Combat.



BattleGroup 42 (Version 1.8)
Eine Modifikation mit dem Anspruch, historisch akkurater zu sein, als das Grundspiel.



Forgotten Hope (Version 0.7)
Ebenfalls eine massive Erweiterung des Grundspiels, die in keiner Sammlung fehlen darf.



Forgotten Hope Secret Weapon (Version 0.5, benötigt Forgotten Hope)
Eine Erweiterung von Forgotten Hope, die auch experimentelles Kriegsgerät enthält, das im Zweiten Weltkrieg nie zum Einsatz kam.



Eve of Destruction (EoD) (Version 2.51)
Benannt nach Barry McGuire's Lied, thematisiert diese Modifikation den Konflikt in Vietnam und diente DICE wahrscheinlich als Vorlage für das 2004 erschienene Battlefield Vietnam.



Jetzt bleibt nur noch, das Spiel herunterzuladen und sich mit einem der vielen Server zu verbinden.

Download: Battlefield 1942 @ Origin

Quelle: Battlefield Blog


Montag, 5. November 2012

Widelands: Die Siedler digital

Der soziale Aspekt eines Brettspiels geht grösstenteils verloren, wenn man es in elektronischer Form über die weltweite Datenbahn spielt. Andererseits ermöglicht die Digitalisierung solcher Spielkonzepte die Implementierung von Elementen, die sich in einem physischen Brettspiel nicht realisieren lassen. Die Entwickler von Widelands wissen offenbar um dieses Potential und erweitern ihr Spiel, das eng an Die Siedler von Catan angelehnt ist, stetig um neue Funktionen.


Der aktuelle Build ist sehr ausgereift und nach nur kurzer Einarbeitungszeit auch von Laien ohne grössere Probleme spielbar, was man von der Brettspiel-Variante nicht unbedingt sagen kann. Es gibt Versionen für alle gängigen Betriebssysteme, die allesamt umsonst heruntergeladen und gespielt werden können. Alles in allem dürfte Widelands den Fans strategisch ausgerichteter Wirtschaftssimulationen sehr gut gefallen, weil es neben der schönen und übersichtlichen Optik auch spielerischen Tiefgang besitzt.

Link: Widelands