
Vergangenen Sonntag war der Himmel über Zürich einmal mehr düster und die Temperaturen lagen weit unter dem Gefrierpunkt. Optimale Bedingungen für den Besuch einer Ausstellung. Also sind wir in die nicht minder kalte Bundeshauptstadt Bern gefahren, um das
Museum für Kommunikation in Augenschein zu nehmen. Eine wirklich interessante und schöne Einrichtung, die an diesem Tag hauptsächlich von Familien mit Kindern besucht war. Gegen Ende des rund zwei- bis dreistündigen Rundganges gelangt man ins Untergeschoss des Gebäudes und damit zur dritten von vier Ausstellungen. Diese trägt den schwungvollen Namen
As Time Goes Byte und zeigt einen knappen Überblick über die Entwicklung der ersten Grossrechner bis hin zu den Personal Computern und Mikrochips und nicht zuletzt den Trend hin zur Miniaturisierung der Geräte.
Dieser Bereich des Museums ist relativ klein. Dennoch haben es sich die Kuratoren nicht nehmen lassen, auch die digitalen Spiele zu thematisieren, denn schliesslich sind diese Teil des kulturellen Erbes des letzten Jahrhunderts. Leider sind sie dabei aber nicht sehr differenziert vorgegangen und ins Fahrwasser der öffentlichen Diskussion geraten, die seit Jahren vornehmlich medial abgehandelt wird und ein negatives Licht auf Video- und Computerspiele wirft. In einem grossen Schaukasten, der in einer Ecke des Raumes aufgestellt ist, sind neben einem Oszilloskopen mit einer Tafel zur Geschichte von
Tennis For Two auch unterschiedliche Joysticks ausgestellt. Davor stand ein Mann und schüttelte langsam den Kopf. Als ich näher herantrat, konnte ich den Grund für seine Reaktion erkennen. Neben den Joysticks liegt ein fein säuberlich arrangierter Stapel aus Verpackungen von Computerspielen. Zuoberst auf dem Stapel liegt die Hülle eines der am kontroversesten diskutierten Titel der noch jungen digitalen Spielgeschichte:
Counter-Strike.
Das Motiv des Aufdrucks der Packung ist martialisch und steht hier offensichtlich stellvertretend für die digitalen Spiele an sich. Das wäre für sich genommen nicht weiter problematisch, würde nicht in unmittelbarer Nähe am Schaukasten eine Plakette prangen, auf der zwei Bilder mit je einer knappen Legende angebracht sind. Auf der linken Seite ist eine Aufnahme einer Bordkamera eines Kampfflugzeuges mit einem Fadenkreuz beim Abwurf einer Bombe zu sehen, auf der rechten eine Szene aus dem Spiel der US-Armee
America's Army, ebenfalls mit einem grossen weissen Fadenkreuz. Damit wird ein zwei Jahrzehnte altes Klischee bedient und eine äusserst komplexe historische Entwicklung bis zur Unkenntlichkeit vereinfacht, wobei ein Kausalzusammenhang suggeriert wird, der so nicht haltbar ist. Abgesehen davon werden Joysticks als Eingabegeräte für Computerspiele seit den 1990er Jahren nur noch selten verwendet und zwar fast ausschliesslich für die Steuerung von Flugsimulationen und nicht für First Person Shooter, die mit Maus und Tastatur gesteuert werden. Die Aussagekraft des Anschauungsmaterials im Glaskasten wird damit neutralisiert. Mit der Ausstellung eines Sport- und eines Strategie- oder Puzzle-Spiels hätte man hier die Vielfalt der Genres zumindest andeuten und dadurch die Assoziation vermeiden können, dass die digitalen Spiele ausschliesslich Krieg und Gewalt darstellen.
Die letzte Station der Ausstellung ist schliesslich die
Game Lounge, in der sich einige Computer befinden, an denen die Besucher Spieleklassiker der 1980er Jahre spielen können. Neben dem für damalige Verhältnisse fortschrittlichen Karate-Spiel
IK+ sind auch Shoot'em ups, Plattformer und Sportspiele ausgestellt. Leider fehlt hier eine aussagekräftige Beschreibung dieses für die Entwicklung der digitalen Spiele äusserst fruchtbaren und wichtigen Jahrzehnts. Was bei den Besuchern hängen bleibt sind letztlich die bunten aber in den Augen heutiger Betrachter einfachen Grafiken der Spiele. Wenig verwunderlich also, dass eine junge Mutter, die ihren Kindern beim Spielen zusah, sarkastisch und in breitem Berner Dialekt zu ihrer Freundin sagte: "pädagogisch sehr wärtvou (wertvoll)...". Die Geschichte der digitalen Spiele lässt sich nicht schönreden, schliesslich waren die ersten erfolgreichen Spiele solche, in denen Invasionen aus dem All bekämpft oder Horden von Bösewichtern verprügelt werden mussten, allerdings führt der fehlende historische Kontext bei der Betrachtung solcher Bilder unweigerlich zu falschen Rückschlüssen. So wurde meines Erachtens bei der Gestaltung dieser Bereiche der Ausstellung viel Potential verschenkt.